Protokoll der erweiterten Delegiertenversammlung
(vom Dienstag, den 10. Januar 2012, 18 Uhr, im Restaurant Rathausgarten
Aarau)
Vorsitz:
Ursula Sauvin, Präsidentin
Anwesende Delegierte: 50
Gäste: RR Alex Hürzeler, Vorsteher BKS
Urs Wilhelm, Abteilung Volksschule BKS
Elisabeth Abassi vom ALV
Bernhard Rauh vom RLA
Protokoll: Martin Schaffner
1.)
Begrüssung
Die Präsidentin begrüsst alle Anwesenden, insbesondere RR
Alex Hürzeler vom BKS, und eröffnet die Delegiertenversammlung.
Sie erörtert die Haltung des BLV-Vorstandes zur Strukturveränderung
der Aargauer Sek I-Stufe, über die im kommenden März abgestimmt
wird.
Wie bereits im publizierten Positionspapier dargelegt wurde, ist der
Wechsel zu einer 3 Jahre dauernden Oberstufe für die Bez in verschiedener
Hinsicht nachteilig: Es ist vor allem mit einem deutlichen Bildungsabbau
zu rechnen.
2.)
Ausführungen von RR Alex Hürzeler
Der Bildungsdirektor bedankt sich für die Einladung und nennt
die Hauptelemente der Vorlage „Gestärkte Volksschule Aargau:
Neu dauert der Kindergarten, der künftig obligatorisch ist und
zur Volksschule gehört, 2 Jahre lang. Die Primarschule wird von
5 auf 6 Jahre verlängert, während die Oberstufenzüge
Real, Sek und Bez noch drei Jahre lang dauern. Mit der Einführung
von 6/3 will das BKS den Bildungsrahmenartikel auf den Aargau realisieren,
bevor von Seiten des Bundes Druck gemacht wird (BV, Art. 62 Abs. 4).
RR Hürzeler unterstreicht die Unterschiede der Vorlage zum Bildungskleeblatt:
Die bereits bewilligten Kosten belaufen sich auf 30 Mio Franken, den
Gemeinden entstehen ausser eventuellen Ausgaben für neuen Schulraum
keine Mehrkosten.
Zudem kommt der Kanton für die Kosten eventueller Zusatzlektionen
auf.
Anschliessend
gibt RR Hürzeler auf folgende Fragen Antwort:
BLV:
Das durchschnittliche Leistungsniveau der 3 Oberstufen liegt tiefer
als dasjenige der Bez. Wie soll gewährleistet werden, dass
die künftigen Bezler am Ende der 6. Klasse den Leistungsstand
der jetzigen Erstbezler haben, sodass es keinen Bildungsabbau gibt?
Hürzeler: Es werden spezielle Stoffpläne und Stoffziele für
die 6. Klasse definiert, das Niveau wird im Durchschnitt der heutigen
1. Oberstufe liegen. Die Orientierung geschieht bei Kantonen, die bei
der letzten PISA-Erhebung vor dem Aargau platziert waren. Einen neuen
spezifischen Lehrplan werde es nicht geben, da der „Lehrplan
21“ schon in ein bis zwei Jahren zu erwarten ist.
Für angehende Klassenlehrpersonen der 6. Klassen werden Weiterbildungsmöglichkeiten
geschaffen. BezLP, die an die Primarstufe wechseln werden, erhalten
zusätzlich eine individuelle Entlastung für ihre persönliche
Weiterbildung.
Der Französischunterricht wird durch erfahrene LP der Oberstufe
erteilt werden oder durch Primarlehrpersonen mit Zusatzqualifikation.
BLV:
Wie wird mit Heterogenität und Begabungsförderung umgegangen?
Gibt es zusätzliche Lehrerstunden oder andere Ressourcen?
Hürzeler: Der Primarschule werden geeignete Ressourcen zur Verfügung
gestellt: Diese bestehen aus Lehrmitteln mit Differenzierungsmöglichkeiten,
Instrumenten für regelmässige Leistungsmessungen (Checks)
und Aufgabensammlungen.
Die Klassengrösse erfährt eine Reduktion von derzeit maximal
28 SuS
auf deren 25.
Die LP erhalten heilpädagogische Unterstützung im Unterricht.
Für Schulen mit erheblicher sozialer Belastung gibt es Zusatzlektionen. 
BLV:
Wie sieht im Vergleich zur aktuellen 1. Bez die Stundentafel für
die neue
6. Klasse aus? Wie steht es um die Freifächer und die naturwissenschaftlichen
Fächer?
Hürzeler: In der neuen 6. Klasse der Primarschule werden die
bisherigen Primarschulfächer (sic!) unterrichtet. Der Französischunterricht
gestaltet sich analog der bisherigen 1. Klasse der Oberstufe mit dem
Lehrmittel „Prélude“. Der Instrumentalunterricht
wird ein Wahlfach sein.
BLV:
Wie sieht die Stundentafel für die 3-jährige Bez aus
beispielsweise in Biologie oder Geografie?
Hürzeler: In der 1. bis 3. Klasse der Oberstufe sind keine Änderungen
an der Stundentafel vorgesehen. Wir warten auf den Lehrplan 21.
BLV:
Was ist geplant bezüglich Frühfranzösisch?
Hürzeler: Bis zum Lehrplan 21 gibt es keine Änderungen.
BLV:
Was verändert
sich in Bezug auf die Schnittstelle Bez - Gymnasium?
Welches sind die Funktionen von Check 8 und Check 9?
Sind dies Vorentscheidungen, Standortbestimmungen oder Aufnahmeprüfungen?
Was ist mit dem dualen Auftrag der Bez?
Hürzeler: Zusammen mit den anderen Kantonen der NWCH werden anonymisierte
Checks entwickelt. Es werden Vergleiche mit anderen Kantonen angestrebt.
Ab 2015/16 können der Check 8 und/oder der Check 9 als Abschlusszeugnis
gelten. Bis zu diesem Zeitraum wird der RR über die Übertrittsmodalitäten
beraten.
Die Abschaffung der BezAP wird mit Sicherheit diskutiert werden. Denkbar
ist folgendes Vorgehen:
BLV:
Zum Thema „Personelles“: Was passiert mit den „überzähligen“ LP
der Bez (Fachlehrersystem), vor allem mit den Monofach-LP?
Hürzeler: Es gilt der Grundsatz: „Jede LP wird gebraucht
- es wird keine überzähligen LP geben.“
Es gibt neue Pensen an der Primarschule, Zusatzlektionen an der Primar-,
Real- und Sekundarschule, Pensen für Fachlehrpersonen für
Werken und Gestalten,
Bewegung und Sport sowie Fremdsprachen.
Ein Weiterbildungsangebot ermöglicht MonofachLP die Qualifikation
für die Primarschule.
Die Verantwortung für die Personalplanung liegt bei der Schulleitung
und der Schulpflege.
BLV:
Erbringen die SuS kleiner Bezirksschulen wirklich schwächere
Leistungen?
Hürzeler: In der Tendenz ist die Frage zu bejahen: SuS an kleinen
Bezirksschulen schneiden in AP schlechter ab. Kleinste Schulen sind
allfällig für mindere Leistungen, beispielsweise war in jüngster
Zeit ein Fall mit einer Durchfallquote von 41 Prozent zu beobachten.
BLV:
Bedeutet die Aufhebung von §56, dass Bezirksschulen nicht
mehr zwingend zusammenarbeiten müssen und dass für die Bez
die gleichen Regelungen gelten wie für die Sek?
Hürzeler: Bez und Regos verfahren künftig mit gleichen Regelungen:
Paragraph 57 des Schulgesetzes schreibt eine Minimum-Regelung vor:
Eine Bez muss künftig aus 3 Doppelabteilungen bestehen oder mindestens
6 Abteilungen.
Aktuell sind daher sechs Bezirksschulen gefährdet, es handelt
sich um Aarburg, Brittnau, Gränichen, Klingnau, Menziken und Seon.
Die Gemeinden sind verpflichtet, sich zusammenzutun und gemeinsam zu
planen.
Die Präsidentin
dankt RR Alex Hürzeler für seine Ausführungen
und gibt dem Plenum Gelegenheit, weitere Fragen zu stellen. 
• Hans
Kloter (Bez Brugg): Wird es auch Niveau-Unterricht geben?
Alex Hürzeler: Nein, der Antrag wurde im GR abgelehnt. Einzelfallmässig
und projektbezogen ist Niveau-Unterricht dennoch möglich.
Urs Wilhelm: Es ist bereits jetzt möglich, ein Fach in einem oberen
Leistungsfach zu besuchen.
• Marion Möllerke
(Bez Obersiggenthal): Gibt es den Check 9 nur an der Bez?
Hürzeler: Nein, der Check 9 ist auch an der Sek möglich.
Checks sollen auch als Förderelemente verstanden werden. Möglichst
viele Kinder sollen in den elf Jahren durch die Volksschule kommen.
• Frage: Das Frühenglisch wird im Aargau nicht wie in andern
Kantonen gehand-habt, dies ist störend, wann wird es angepasst?
Hürzeler: Eigentlich ist dies eine nationale Frage: Sollen zwei „Frühfremd-sprachen“ angeboten
werden? Die Checks werden dem Frühenglisch Rechnung tragen müssen.
• Frage: Die Klassengrössen führen zu einer Reduktion
der Abteilungen, ist die Vorlage eine Sparübung?
Hürzeler: Es wird tatsächlich weniger Abteilungen geben,
was auch weniger Kosten nach sich zieht. Er ist überzeugt davon,
dass für niemanden der 7500 Mitarbeitenden der Aargauer Volksschule
ein Sozialplan geschaffen werden muss . Andernfalls würde sich
RR Hürzeler für einen solchen einsetzen. In Bezug auf diverse
gewerkschaftliche Aspekte ist im BKS bereits eine Supportgruppe ins
Leben gerufen worden.
• Hans Kloter (Bez Brugg): Die NPV weist Mängel auf. Erstbezler
mit sehr tiefem Schnitt sollten früher removiert werden können
als erst nach einem Jahr.
Hürzeler nimmt das Votum zur Kenntnis und verweist auf die laufende
Phase der Evaluation.
• Ursula Sauvin: Was geschieht in Bezug auf die Begabtenförderung?
Gute SuS werden sich in der 6. Klasse langweilen. Die Betreuung der
Begabten soll unbedingt beachtet werden.
Wilhelm: In der Primarstufe gibt es tatsächlich wenige Lektionen,
die unterteilt werden. Im Lehrplan 21 soll sie jedoch entsprechende
Ressourcen erhalten, die auch die Begabten berücksichtigt: Teamteaching
zu mindestens 50 Prozent, dazu kommt ein individualisierendes Angebot.
Selbstlernen soll ein begleitetes Lernen sein.
• Thomas Hirt (Bez Zofingen): Warum sind keine Stütz-Assistenzen
in der 6. Klasse vorgesehen?
Hürzeler: Zusatzlektionen gibt es auch auf der Primarstufe. Zusätzlich
existiert das Angebot von regionalen Spezialklassen. Für die Zusatzlektionen
sind 2 Mio eingesetzt.
• Konrad
Heusser (Bez Oftringen): Soll die Umstellung etwa mit einem Experimentallehrplan
vonstatten gehen? Warum wird der LP 21 nicht abgewartet?
Wilhelm: Es gibt keine Experimentallösung. Den Aargauer Lehrmitteln
werden Wegleitungen mit klaren stofflichen Vorgaben beigegeben.
• Frage: Die Vorlage bringt pädagogisch bloss Nachteile.
Der Bund würde den Aargau nie zum Systemwechsel zwingen. Zudem
nimmt sie keine Rücksicht auf die Entwicklung des Kindes, das
sich in Zeitpunkt des Wechsels in der Pubertät befindet. Ein Leistungsniveau,
wie man es sich jetzt vorstellt, wird im 6. Primar-schuljahr nicht
erreicht werden. Warum muss ein Jahr vor dem Lehrplan 21 ein Systemwechsel
stattfinden?
Hürzeler: Er bestätigt, dass 5/4 en gutes System ist. Der
Druck zur Veränderung komme aber auch aus den Gemeinden, nicht
nur vom Bund. Die überwiegende Mehrheit des GR ist für 6/3,
auch viele GR von der SVP.
Frage:
Die Umsetzungsphase dauert bis 2014, in vielen Gemeinden kommt in
Bezug auf die Infrastrukturen zu Verzögerungen (z.B. Rheinfelden),
sind auch individuelle Übergänge möglich?
Hürzeler: Der Zeitpunkt 2014/15 wurde vom Verband der Gemeindeammänner
nicht abgelehnt. Alles soll also im gleichen Moment umgestellt werden.
Eventuell könne es bei den Tagesstrukturen zu Ausnahmen kommen.
am Anfang sei sicher mit einigen Provisorien zu rechnen. Zwischen den
Gemeinden müssten auch ndividuelle Abmachungen getätigt werden.
Er selber habe viel Zutrauen zu den Gemeindeammännern.
Zum Schluss
würdigt RR Hürzeler die Vorlage als geglückten
Kompromissvorschlag und er bittet die Delegierten mit einem erneuten
Verweis auf die guten Elemente, den Schritt hin zu 6/3 auch zu wagen. 
3.) Die Position des BLV - Diskussion und Abstimmung
• Elisabeth Abassi vom ALV unterstützt die Reform, sie unterstreicht
deren Vorteile. Das Gesamtpaket sei als solches anzunehmen, auch wenn
es Elemente enthalte, die für die Bez nachteilig seien, zu viele
Vorteile gingen bei einer Ablehnung verloren.
Der ALV glaube nicht, dass 5/4 noch lange praktiziert werden könne.
Der ALV habe sich sehr frühzeitig um eine Mitsprache bemüht
und sie auch ausüben können. Zwei Aspekte seien ihm prioritär
gewesen: die Ausgestaltung des 6. Schuljahres und die Behandlung der
betroffenen LP. Diesbezüglich seien auch Arbeitsgruppen gebildet
worden.
• Ein Delegierter befürchtet, dass nach der Annahme der
Vorlage Niveaukurse eingeführt werden könnten.
Ursula Sauvin stellt dieses Szenarium in Abrede.
• Hans Kloter findet, dass es nutzlos sei, wenn sich der BLV
der Vorlage entgegenstemme. Er wünscht sich aber, dass der ALV
die BezLP besser unterstützt.
• Thomas
Hirt will nicht, dass der BLV eine offizielle Empfehlung zur Vorlage
abgibt.
• Bernhard Rauh vom RLA glaubt, dass sich der BLV bei einem Engagement
für eine Ablehnung der Vorlage „ganz viel kaputt machen
würde“.
Ursula Sauvin widerspricht ihm, zudem will sie dem Ablauf nicht vorauseilen.
• Die Abstimmung steht bevor, die Präsidentin schlägt
zwei Stimmenzähler vor, die vom Plenum gewählt werden.
• Auf dem Positionspapier des BLV sind zwei Varianten vorgeschlagen.
Niemand wünscht eine Abänderung der vorgeschlagenen Varianten.
Niemand schlägt eine weitere Variante vor.
• Abstimmung:
A:
Unter diesen Umständen können wir der Umstellung auf
6/3 nicht zustimmen.
→ Ergebnis: 30 Delegierte stimmen für A
B:
Die politische Frage hat Priorität, deshalb geben wir keine
offizielle Empfehlung ab.
→ Ergebnis: 13 Delegierte stimmen für B
→ Stimmenthaltungen:
0
(einige Delegierte mussten bereits vor der Abstimmung weggehen)
Schluss der Sitzung: 20.40 Uhr
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